Libido

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Unter Libido oder Geschlechtstrieb bzw. Sexualtrieb versteht man den Trieb, der auf die Befriedigung sexueller Bedürfnisse gerichtet ist (Libido = sexuelles Lustempfinden).

Analogie:
Verlangen nach sexueller Befriedigung → Libido
Bedürfnis nach Nahrung → Hunger

Stärke der Libido

Wie stark die Libido ausgeprägt ist, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Die häufig vertretene Annahme, dass Männer grundsätzlich über eine höhere Libido als Frauen verfügen trifft zwar nicht zu, da das individuelle Spektrum bei allen Geschlechtsunterschieden größer ist als zwischen ganzen Gruppen. Allerdings hat z.B. das Sexualhormon Testosteron auch bei Frauen einen Einfluss auf die sexuelle Erregbarkeit und das Verlangen. Da der Testosteronspiegel bei Frauen im Schnitt deutlich niedriger ist als bei Männern, kann zumindest davon ausgegangen werden, dass das Interesse an sexuellen Handlungen bei Frauen im Mittel ebenfalls geringer ausgeprägt ist, was sich auch empirisch bestätigen lässt.[1]. Dies zeigt sich unter anderem auch im unterschiedlichen Masturbationsverhalten (Frauen masturbieren deutlich weniger).

Menschen die ohne erkennbare äußere oder krankheitsbedingte Einwirkung einen deutlichen "Mangel" an Libido (bis zum völligen Fehlen der Libido) haben werden auch als Nonlibidoisten bezeichnet und sind aufgrund des damit verbundenen Erlöschens jedweden sexuellen Verlangens auch asexuell.

Die Libido bei Männern und Frauen

Die Libido des Mannes steht in direktem Zusammenhang zum männlichen Sexualhormon Testosteron. Männer die nur wenig Testosteron bilden können (z.B. Eunuchen) haben keine oder nur eine geringe Libido, empfinden diesen Zustand zumeist aber nicht als problematisch, da auch kein Verlangen nach dem Verlangen mehr existiert ("Mann will nicht und man kann nicht").

Die erektile Dysfunktion (im allgemeinen Sprachgebrauch meist Impotenz genannt) ist kein Mangel an Libido ("Man(n) will, kann aber nicht"). Auch Asexualität liegt nicht unbedingt ein Mangel an Libido zugrunde ("Der Asexuelle kann, will aber nicht"). Viele Asexuelle haben eine Libido - verspüren aber nicht den Wunsch, sie mit einem anderen Menschen auszuleben. Auch ein Mensch mit überdurchschnittlicher Libido (der vielleicht regelmäßige Selbstbefriedigung ausübt) aber fehlendem Wunsch nach Sex bezeichnen wir immer noch als asexuell. Sexueller Trieb und Verlangen nach sexueller Interaktion sowie die erlebte sexuelle Anziehung sind völlig unterschiedliche Dinge.

Bei Frauen wird ein Mangel an Libido teilweise auch als Frigidität bezeichnet. Da dieser Ausdruck aber abwertend ist sollte er heute nicht mehr benutzt werden. Ein Verlust der Libido ohne medizinische oder medikamentöse Ursache wird als sexuelle Appetenzstörung und in seltenen Fällen als Anaphrodisie bezeichnet.

Auswirkungen von Medikamenten auf die Libido

Heute sind eine Reihe von Medikamenten bekannt, die die Libido negativ beeinflussen können. Hierzu gehören Antihypertonika, Lipidsenker, Sedativa und Tranquilizer sowie Psychopharmaka wie Neuroleptika und manche Antidepressiva (insbesondere die SSRI) sowie hormonelle Präparate (insbesondere Gestagene im Rahmen der Kontrazeption sowie Antiandrogene bzw. Testosteronantagonisten, die auch gezielt zur Triebhemmung eingesetzt werden). Eine Steigerung der Libido kann durch eine Reihe von stimulierenden Drogen wie z.B. Alkohol, Kokain oder MDMA (Ecstasy) ausgelöst werden.

Besondere Beachtung sollten Frauen der Antibabypille schenken. Einige weibliche Mitglieder im Aven Forum berichteten, dass sie "die Pille" als eindeutige Ursache ihrer geringen bis gar nicht vorhandenen Libido ausmachen konnten, wobei die Libido teilweise auch nach Beendigung der Einnahme nicht mehr zurückkam. Besonders Frauen, die in früheren Phasen ihres Lebens sexuell aktiv waren und sich heute aufgrund ihrer geringen Libido der asexuellen Gemeinschaft verbunden fühlen sollten daher auch die Pille als Auslöser in Betracht ziehen.

Die Libido in der Psychoanalyse

Der Begriff "Libido" wurde erstmals in der Psychoanalyse von Sigmund Freud verwendet. Die psychoanalytische Theorie ist aber außerordentlich komplex und oft auch für einen Fachmann schwer zu verstehen. Eine lustige Anekdote in diesem Zusammenhang ist die historisch belegte Gegebenheit, dass C.G. Jung nach Jahren der Zusammenarbeit mit Freud diesem einen Brief geschrieben hat, in dem er Freud anflehte, er möge ihm doch erklären, was er eigentlich mit "Libido" meine.

Freud ging grundsätzlich davon aus, dass "die Psyche" nicht etwa eine Wesenheit, sondern etwas Dynamisches ist. Das dynamische Geschehen der Psyche wird nun gemäß seiner Vorstellung in Gang gehalten durch die psychische Energie, die er als Libido bezeichnet. Die Libido steht grundsätzlich dem Ich zur Verfügung und fließt ihm "von den Organen her" zu. Wir erkennen in dieser Vorstellung einmal mehr Freuds Bemühen, das Psychische auf das Organische zurückzuführen.

Die Libido kann grundsätzlich frei oder gebunden sein. Irgendwelche Sachverhalte werden für den Menschen dadurch bedeutsam, dass sich mit deren Vorstellung Libido verbindet. Freud spricht davon, dass die "Objekte" mit Libido "besetzt" werden.

Das erste "Objekt", das das kleine Kind mit Libido besetzt, ist die Mutterbrust. Im Verlaufe der Entwicklung besetzt das Kind immer mehr Objekte mit Libido. Man kann sagen, dass ein Objekt mit um so mehr Libido besetzt ist, je stärker es mit gefühlvollem Erleben verbunden ist.

Die Libido durchläuft in der Kindheit insgesamt drei charakteristische Entwicklungsphasen:

Störungen der Libidoentwicklung führen laut Freud zu psychischen Störungen.

Einige Theorien Freuds gelten heute als widerlegt:

  • Die postulierten Phasen lassen sich empirisch nicht belegen, insbesondere nicht im Sinne von für die spätere Entwicklung des Menschen bedeutsamen und an Erfahrungen mit körperlichen Funktionen gebundenen Lebensabschnitten. Wie ein kleines Kind mit seinem Stuhlgang umgeht hat z.B. keine besondere Relevanz für dessen spätere psychische Entwicklung. Relevante Entwicklungsabschnitte wurden von Entwicklungspsychologen wie u.a. Jean Piaget später wesentlich professioneller untersucht.
  • Freuds These, dass die Libido jedem Verhalten zugrunde liegt, welches zu einem Lustgewinn führen kann, wird heute abgelehnt.
  • Ebenso ist Freuds Auffassung, dass psychische Störungen generell aus einer gestörten Libidoentwicklung bzw. Sexualentwicklung herrühren eindeutig widerlegt.

Siehe auch

Weblinks und Einzelnachweise

  1. https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1207/S15327957PSPR0503_5