Queer-Feminismus
Der Queer-Feminismus (auch Querfeminismus bzw. Queerfeminismus oder Quer-Feminismus), der meist der dritten Welle des Feminismus zugerechnet wird[1], ist eine seit den 1990er Jahren aufkommende und stark von ideologischen Vorstellungen geprägte Variante eines (akademisierten) Feminismus, bei dem im Gegensatz zur Frauenbewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie der zweiten Welle des Feminismus und im Gegensatz zur eigentlichen Ausrichtung des Begriffs des Feminismus nicht mehr nur Frauen sondern alle sogenannten "sexuellen Minderheiten" (welche oftmals pauschal als queer angesehen werden) im Fokus der Betrachtung stehen. Daher wird der Queer-Feminismus teilweise auch dem Post-Feminismus zugerechnet.
Der Queerfeminismus ist über die Queer-Theorie eng mit dem Gender Begriff verbunden. An Universitäten verbreitet er sich über die Gender Studies und verdrängt dabei zunehmend die klassische feministische "Frauenforschung", die in der zweiten Welle des Feminismus verwurzelt ist. Dieser Umstand wird auch von Vertretern der zweiten Welle (wie z.B. Alice Schwarzer) als problematisch angesehen.
Im Queer-Feminismus wird in jüngerer Zeit ein besonders starker Fokus auf Menschen, die Probleme im Bereich der Geschlechtsidentität haben, gelegt. Vor allem in den USA besteht daher eine enge Verknüpfung mit dem Trans-Aktivismus. Ausgehend von der Queer-Theorie, als deren prominentester Vertreter häufig Judith Butler angesehen wird, wird im Queer-Feminismus oftmals eine "Dekonstruktion" bzw. "Auflösung" der sexuellen Orientierung bzw. der Geschlechtlichkeit, oder zumindest gesellschaftlich relevanter Geschlechtsunterschiede und Geschlechtsrollen, als abstraktes Ideal angesehen.
Daher kann der Queer-Feminismus insbesondere für Transgender und Bisexuelle bzw. Pansexuelle aber auch für aromantische oder panromantische Asexuelle attraktiv sein. Auch (sexuelle) Traumata oder die Identifikation mit traumatisierten Menschen spielen (insbesondere für Frauen) eine wichtige Rolle für die Entwicklung eines Zugehörigkeitsgefühls zu feministischen und postfeministischen Strömungen.
Vor diesem Hintergrund besteht eine starke Tendenz unter Vertretern dieser Strömungen (wie z.B. Aktivisten, Politiker, Journalisten, Dozenten, Absolventen feministisch geprägter Studiengänge, etc.) für die oben genannten und viele weitere Gruppen zu sprechen bzw. sprechen zu wollen, was häufig in vereinnahmender Weise stattfindet. Oftmals werden auf dieser Grundlage sogar alle Minderheiten bzw. (vermeintlich oder tatsächlich) benachteiligte Gruppen, wie z.B. Schwarze oder auch lediglich dicke Menschen, zum Betrachtungsgegenstand des Queerfeminismus.
Eine Vereinnahmung durch Aktivisten geschieht oftmals ohne deren Zugehörigkeit zur jeweiligen Gruppe und/oder entgegen des ausdrücklichen Wunsches weniger radikaler bzw. politisch anders eingestellter Vertreter dieser Gruppen. Auch unpolitischen Personen sowie Personen ohne Interesse an politischen Auseinandersetzungen werden hierbei (ohne demokratische Legitimationsgrundlage) für die Durchsetzung eines ideologisch geprägten Weltbilds instrumentalisiert.
Diese Strategie kann als der Versuch angesehen werden z.B. den Queer-Feminismus als solchen und/oder einen konkreten Vertreter des selbigen als moralische Instanz in Diskriminierungsfragen zu präsentieren und darüber die Meinungshoheit in Diskussionen und Entscheidungsgremien zu gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen an sich zu ziehen. Insbesondere Jugendliche mit einem Bezug zu (vermeintlich oder tatsächlich) benachteiligten Gruppen sind hierbei als besonders leicht zu manipulierende Zielgruppe von Interesse.
Der Begriff des "Privilegs" dient in diesem Kontext als zentrales (machtpolitisch zu verstehendes) Werkzeug um zwischen per se als "unterprivilegiert" eingeordneten Gruppen, denen in der Logik des Querfeminismus Macht/Einfluss zugeteilt werden soll, sowie per se als privilegiert zu betrachtenden Gruppen, denen Macht/Einfluss entzogen werden soll, zu unterscheiden. Der "heterosexuelle (gesunde, wohlhabende, alte, politisch konservative) weiße Mann", welcher oftmals als Prototyp der letzteren Gruppe definiert wird, kann somit als ein aus dem öffentlichen (Macht)Diskurs zu entfernendes Subjekt bzw. als de facto Feindbild der meisten modernen feministischen Strömungen verstanden werden.[2][3][4]
Die häufig innerhalb des Querfeminismus vertretene Behauptung, er sei um die "Gleichheit aller Menschen" bemüht, kann demnach (ähnlich wie schon in früheren Wellen des Feminismus) als aktiver Versuch der Mythenbildung verstanden werden (analog zur Utopie der klassenlosen Gesellschaft im Kommunismus), da Heterophobie und Sexismus insbesondere gegenüber Männern aber auch gegenüber denjenigen Frauen, einschließlich Feministen der zweiten Welle, die sich nicht als Anhänger verstehen (und die oftmals pauschal als "Transexkludierende Radikalfeministen" (TERFs) bezeichnet werden), bekanntermaßen weit verbreitet sind.
Auch durch eine Sympathie für den stark durch patriarchale bis hin zu offen frauenfeindlichen und homosexistischen Strukturen geprägten Islam, bei einer zumeist kritischen Haltung gegenüber anderen Religionen, was bis zu antiisraelitischen und sogar antisemitischen Tendenzen, die u.a. auch Judith Butler schon lange unterstellt werden können[5][6][7], reichen kann, lässt sich der Queerfeminismus vom 2nd Wave Feminismus abgrenzen.
Gendern als stilistisches Mittel (queer)feministischer Machtpolitik
Über die Beeinflussung insbesondere der schriftlichen Alltagssprache wird von ideologisch motivierten Personen oftmals versucht Aufmerksamkeit im Hinblick auf ihre Existenz oder Ansichten in der Öffentlichkeit zu generieren. Konkret geschieht dies etwa durch das Einfügen von Gendersternchen der Gendergap oder dem Genderdoppelpunkt in Texte sowie durch die Entwicklung "geschlechtsneutraler" Fantasiepronomen. Ab etwa 2018 wurde auf dieser Grundlage zusätzlich (insbesondere in den öffentlich-rechtlichen Medien) versucht die Gendergap in der gesprochenen Sprache nachzubilden, was teils zu grotesken Lautbildungen führt.
Auch die unpassende Verwendung von Verlaufsformen, die sich besonders eindrücklich in der Umbenennung der Studentenwerke in "Studierendenwerke" und der Studenten selbst in "Studierende" zeigt (und die zunehmend willkürlich auf weitere Personenbezeichnungen ausgedehnt wird), kann im sprachlichen Bereich als eine Art Vorzeigeprojekt bzw. Testballon angesehen werden um die Akzeptanz von Sprachmanipulationen in der Gesellschaft zu ermitteln, wobei diesen Manipulationsversuchen mithilfe des Begriffs der "Gerechtigkeit" (im Sinne eines Framings) ein positives Image verliehen werden soll. Gegenderte Sprache wie daher z.B. als "geschlechtergerechte Sprache" oder "gendergerechte Sprache" bezeichnet, obwohl ihre Verwendung nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat. [8][9]
Vorgeblich sollen somit durch diese (meist inkonsequent verwendeten und sprachlich nicht kohärenten) Wortneuschöpfungen bzw. grammatikalischen Experimente reale Diskriminierungen oder Sexismus in der Gesellschaft abgebaut werden, obwohl es keinerlei wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit in dieser Richtung gibt [10][11][12][13]. Gerade aufgrund des provokanten Verhaltens und des darüber formulierten Machtanspruchs sowie der Sexualisierung und Politisierung der Sprache[14], worüber auch ein impliziter Sexismus transportiert werden kann, ist (etwa über die Erzeugung von Reaktanz) ein gegenteiliger Effekt zu erwarten, der aber von Queer-Feministen, trotz der offensichtlichen Gefahr einer Radikalisierung der Gesellschaft, meist billigend in Kauf genommen wird [15].
Als weitere Zielsetzung wird der Anspruch formuliert durch sprachliche Maßnahmen auch andere "Geschlechter" als Männer und Frauen sichtbar zu machen. Wie dies möglich sein soll ist völlig unklar, da selbst unter Annahme ihrer Existenz niemand die Art und Anzahl dieser "Geschlechter" kennt und daher (anders als bei Geschlechtspronomen) keinerlei assoziativer Bezug zu den verwendeten Symbolen oder sprachlichen Mitteln besteht.
Da durch die Verwendung künstlicher sprachlicher Konstrukte in der Realität kein Nutzen im Sinne der behaupteten Wirkzusammenhänge belegbar ist[16] und eine deutliche (sowie anhaltend zunehmende[17]) Mehrheit der Gesellschaft deren Verwendung ablehnt (einschließlich Frauen und "Diverse")[18][19][20][21][22] und eine (ebenfalls zunehmende) Mehrheit der Bevölkerung ein Verbot von Gendersprache für staatliche Stellen befürworten würde, bzw. bereits ausgesprochene Verbote mit einer Zustimmung von ca. 75 % befürworten (wobei bei der Ablehnung kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen bestehen),[23] muss davon ausgegangen werden, dass die eigentliche Motivation für ihre Verwendung im setzen von "Duftmarken" oder sogar in einer aktiven Spaltung der Gesellschaft in einen "inneren" (moralisch höherwertigen) und einen "äußeren" (moralisch minderwertigen) Kreis besteht, wobei die verwendete Sprache die Zugehörigkeit zum inneren Kreis markieren und dessen ideologiegetriebenen Machtanspruch zur Geltung bringen soll.[24] Auch ein banales Bedürfnis nach Rache an einer Gesellschaft, in der bestimmte Traumatisierungen stattgefunden haben, kann hierbei im Hintergrund stehen.
Aus diesem Umstand resultieren als totalitär zu betrachtenden Anwandlungen, die sich in der Praxis also bereits durch Ausübung von Zwang manifestieren. So wird beispielsweise versucht die Verwendung der Gendersprache über Noten und sozialen Druck an Universitäten zu erzwingen, was als verfassungswidrige Praxis einzustufen ist.[25]
Diesbezüglich steht der Queer-Feminismus in der Tradition der von der zweiten Welle des Feminismus ausgehenden Versuchen die Sprache zu beeinflussen. Auf dieser Strömung basierende Forderungen manifestieren sich beispielsweise in einer systematischen Verwendung des Binnen-I oder in Form von Abhandlungen zum "generischen Maskulinum" welches verpflichtend durch ein "generisches Femininum" ersetzt werden solle.[26]
Diese und vergleichbare Strategien der Einflussnahme (bis hin zu direktem Zwang) sind typisch für politisch geprägte Ideologien (im Bereich des Feminismus meist mit Grundlagen im Sozialismus bzw. Kommunismus) und werden anschaulich in George Orwells Klassiker 1984 beschrieben (Stichworte: Neusprech und die Gedankenpolizei des Ministeriums für Liebe). Da die Manipulation von Gefühlen im Vordergrund steht und die Wahrheit im Kontext der Betrachtungen im Queer-Feminismus keine Rolle spielt bzw. spielen soll, kann darüber hinaus auch argumentiert werden, dass es sich insbesondere bei der Forschung aus diesem Bereich um eine Form des Bullshitting handelt[27].
Aufgrund der zumeist linken politischen Ausrichtung ("links"-liberal bis linksradikal) feministischer Strömungen wird Menschen, die sich kritisch gegenüber dem Queer-Feminismus äußern, meist pauschal eine Nähe zum Rechtsextremismus oder zumindest einem rechtsideologisch geprägten Maskulinismus und/oder Antifeminismus unterstellt [28].
Ob hierüber bewusst eine Spaltung der Gesellschaft im Sinne von Divide et impera befördert werden soll oder nicht bleibt allerdings offen, da sowohl linke als auch rechte Ideologen von der Auseinandersetzung mit der jeweiligen Gegenseite profitieren und somit eine "natürliche" bzw. unterschwellige Tendenz zeigen, sich wechselseitig in immer extremere Sphären hochzuschaukeln, bis sie im Extremismus nahezu konvergieren und sich nur noch bezüglich der Narrative unterscheiden mit denen Überwachung, Diskriminierung oder sogar Gewalt gegen Andersdenkende oder die ganze Bevölkerung gerechtfertigt werden.
Der spalterische Effekt dieser "Strategie" ist in der Realität mittlerweile in jedem Fall offensichtlich geworden. Die Wahlergebnisse (insbesondere auch in den USA und Deutschland) belegen dies ebenso eindrücklich wie das Aufgreifen des Diskurses innerhalb der russischen Propaganda. Die Solidarisierung gerade auch rechtsextremer und radikal religiös motivierter Strömungen mit kommunistisch geprägten Ideologien belegen eindrücklich die Konvergenz politischer und religiöser Ideologie im Extremismus (Stichwort Hufeisentheorie).
Siehe auch
Weblinks und Textnachweise
- Differenzierter Artikel zur Problematik gegenderter Sprache
- Entwicklung und Bedeutung des grammatischen Geschlechts in der Sprache (Widerlegung gendertheoretischer Sprachthesen)
- Ursprung des Feminismus der 3. Welle - Philosophie, Sprachmagie und Butlers Weltbild
- Wikipedia: Artikel zu Neusprech in George Orwells Roman 1984
- Wikipedia: Allgemeiner Artikel zu Sprachmanipulationen
- Schwarzer vs. Butler (Artikel zum Streit im Feminismus in der Taz)
- Sexismus in der Sprache und feministische Sprachideologie (Thread im AVENde-Forum)
- Umfrage: Sexismus und Diskriminierung im modernen Feminismus (im AVENde-Forum)
- Umfrage: Gefühle gegenüber dem Feminismus (im AVENde-Forum)
- Umfrage: Künstlerecke gendern?
- ↑ http://www.antjeschrupp.de/third-wave-feminismus
- ↑ https://www.jetzt.de/meine-theorie/meine-theorie-frauen-muessen-nicht-mit-maennern-ueber-feminismus-diskutieren
- ↑ https://taz.de/Queerfeminismus-und-Sprache/!5067155
- ↑ https://taz.de/Kritik-an-der-queerfeministischen-Szene/!5409519/
- ↑ https://www.dw.com/de/adorno-preis-f%C3%BCr-butler-l%C3%B6st-kontroverse-aus/a-16229008
- ↑ https://www.fr.de/kultur/werden-israels-todfeinde-legitimiert-11319651.html
- ↑ https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ausland/us-feministin-judith-butler-terror-hamas-israel-100.html
- ↑ https://magazin.tu-braunschweig.de/m-post/kann-sprache-gerecht-sein/
- ↑ https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/geschlechtergerechte-sprache-2022/346091/weder-geschlechtergerecht-noch-gendersensibel/
- ↑ https://journalismus-und-sprache.de/
- ↑ Wikipedia: Kritik an der feministischen Sprachkritik (aka feministische "Linguistik")
- ↑ https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/hoersaal/gendern-warum-geschlechtergerechte-sprache-nicht-gerecht-ist-18116244.html
- ↑ https://www.linguistik-vs-gendern.de/
- ↑ https://www.nzz.ch/meinung/gender-sprache-die-sexualisierung-der-sprache-von-oben-ld.1513053
- ↑ https://www.abendblatt.de/hamburg/article237743271/gendern-streitgespraech-abendblatt-hamburgs-gruene-lehnen-verhandlung-mit-volksinitiative-ab-jasberg-politycki.html
- ↑ https://zydenbos.userweb.mwn.de/gendersprache/intro.html
- ↑ https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/weiter-vorbehalte-gegen-gendergerechte-sprache/
- ↑ https://link.springer.com/article/10.1007/s11615-022-00380-z#Fn9999
- ↑ https://www.zeit.de/news/2021-05/23/mehrheit-der-deutschen-lehnt-gendergerechte-sprache-ab
- ↑ https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/mdrfragt-umfrage-ergebnis-deutliche-ablehnung-von-gendersprache-100.html
- ↑ https://www.berliner-zeitung.de/news/zdf-politbarometer-mehrheit-der-deutschen-ist-gegen-gendersprache-in-medien-li.171998
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Studien_und_Umfragen_zu_geschlechtergerechter_Sprache
- ↑ https://www.augsburger-allgemeine.de/special/bayern-monitor/umfrage-zu-genderverbot-drei-viertel-der-deutschen-finden-das-richtig-id68753686.html
- ↑ https://www.wissenschaftskommunikation.de/gendern-ist-das-latein-der-neuen-eliten-71125/
- ↑ https://www.nzz.ch/international/warum-unis-studenten-nicht-zum-gendern-zwingen-duerfen-ld.1692319
- ↑ https://www.emma.de/artikel/fuehlen-sie-sich-mitgemeint-336301
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/On_Bullshit
- ↑ https://www.gwi-boell.de/de/2018/08/03/frauenfeindlich-sexistisch-antifeministisch-begriffe-und-phaenomene-bis-zum-aktuellen