Queer-Feminismus

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Der Queer-Feminismus (auch Queerfeminismus bzw. Querfeminismus oder Quer-Feminismus), der meist der dritten Welle des Feminismus zugerechnet wird[1], ist eine seit den 1990er Jahren aufkommende Variante des Feminismus, bei der im Gegensatz zur Frauenbewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie der zweiten Welle des Feminismus (etwa seit den 1960er Jahren mit einer Blütezeit in den 1970er Jahren), sowie im Gegensatz zur eigentlichen Bedeutung des Begriffs Feminismus, nicht mehr nur Frauen sondern alle sogenannten "sexuellen Minderheiten" im Fokus der Betrachtung stehen. Daher wird der Queer-Feminismus teilweise auch dem Post-Feminismus zugerechnet.

Im Queer-Feminismus wird vor allem in jüngerer Zeit ein besonders starker Fokus auf Menschen, die Probleme im Bereich der Geschlechtsidentität haben, gelegt. Vor allem in den USA besteht daher eine enge Verknüpfung mit dem Trans-Aktivismus. Ausgehend von der Queer-Theorie, als deren prominentester Vertreter häufig Judith Butler angesehen wird, wird im Queer-Feminismus oftmals eine "Dekonstruktion" oder sogar "Auflösung" der sexuellen Orientierung bzw. der Geschlechtlichkeit oder zumindest gesellschaftlicher relevanter Geschlechtsunterschiede und Geschlechtsrollen als abstraktes Ideal angesehen welchem im politischen Kontext, beispielsweise durch die Praxis des Gender Mainstreaming, Ausdruck verliehen werden soll. Vor diesem Hintergrund kann der Queer-Feminismus insbesondere für Transgender und Bisexuelle bzw. Pansexuelle aber auch für aromantische oder panromantische Asexuelle attraktiv sein. Auch Traumata oder die Identifikation mit traumatisierten Menschen spielen (insbesondere für Frauen) eine wichtige Rolle für die Identifikation mit diesen Zielsetzungen.

Generell besteht vor diesem Hintergrund eine starke Tendenz von Queerfeministen für alle oben genannten und viele weitere Gruppen zu sprechen bzw. sprechen zu wollen, was häufig in vereinnahmender Weise stattfindet. Diese Vereinnahmung geschieht oftmals auch ohne die eigene Zugehörigkeit zur jeweiligen Gruppe und/oder entgegen des ausdrücklichen Wunsches anderer weniger radikaler bzw. politisch anders eingestellter Vertreter dieser Gruppen sowie insbesondere gegen den Wunsch aller unpolitischer Personen aus diesen Gruppen, die dadurch (ohne Legitimationsgrundlage) für die Durchsetzung eines ideologisch motivierten Weltbilds instrumentalisiert werden. Diese Strategie kann als der Versuch angesehen werden den Queer-Feminismus als solchen und/oder einen konkreten Vertreter des selbigen als moralische Instanz in Diskriminierungsfragen zu präsentieren und darüber die Meinungshoheit in Diskussionen und Entscheidungsgremien zu gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen an sich zu ziehen. Der Queer-Feminismus ist über die Queer-Theorie eng mit dem Gender Begriff verbunden. An Universitäten verbreitet er sich über die Gender Studies und verdrängt dabei zunehmend die klassische feministische "Frauenforschung", die in der zweiten Welle des Feminismus verwurzelt ist, was auch von Vertretern der zweiten Welle (wie z.B. Alice Schwarzer) kritisch gesehen wird.

Gelegentlich werden auf dieser Grundlage sogar alle Minderheiten bzw. (vermeintlich oder tatsächlich) benachteiligte Gruppen, wie z.B. Schwarze oder auch lediglich dicke Menschen, zum Betrachtungsgegenstand des Querfeminismus. Der Begriffs des "Privilegs" dient hierbei als zentrales (machtpolitisch zu verstehendes) Werkzeug um zwischen per se als "unterprivilegiert" eingeordneten Personen, denen Macht/Einfluss zugeteilt werden soll, sowie per se als privilegiert zu betrachtenden Personen, denen Macht/Einfluss entzogen werden soll, zu unterscheiden. Der "heterosexuelle (gesunde, wohlhabende, alte, politisch konservative) weiße Mann", welcher als Prototyp der letzteren Gruppe definiert wird, kann somit als ein aus dem öffentlichen (Macht)Diskurs zu entfernendes Subjekt bzw. als de facto Feindbild der meisten feministischen Strömungen verstanden werden[2][3][4].

Die häufig im Quer-Feminismus anzutreffende Aussage, er sei um die "Gleichheit aller Menschen" bemüht, kann demnach (ähnlich wie schon in der zweiten Welle des Feminismus) als aktiver Versuch der Mythenbildung verstanden werden (analog zur Utopie der klassenlosen Gesellschaft im Kommunismus), da Heterophobie und Sexismus insbesondere gegenüber Männern aber auch gegenüber denjenigen Frauen, einschließlich Feministen der zweiten Welle, die sich nicht als Anhänger verstehen (und die oftmals als "Transexkludierende Radikalfeministen" (TERFs) bezeichnet werden), bekanntermaßen weit verbreitet sind.

Gendern als stilistisches Mittel queerfeministischer Machtpolitik

Über die Beeinflussung insbesondere der schriftlichen Alltagssprache wird von Queer-Feministen versucht Aufmerksamkeit im Hinblick auf ihre Existenz oder Ansichten in der Öffentlichkeit zu generieren. Konkret geschieht dies etwa durch das Einfügen von Gendersternchen der Gendergap oder dem Genderdoppelpunkt in Texte sowie durch die Entwicklung "geschlechtsneutraler" Fantasiepronomen. Seit etwa 2018 wird auf dieser Grundlage zusätzlich (insbesondere in den öffentlich-rechtlichen Medien) versucht die Gendergap durch eine Lücke in der gesprochenen Sprache nachzubilden, was teils zu grotesken Lautbildungen führt. Auch die unpassende Verwendung von Verlaufsformen, die sich besonders eindrücklich in der allgemeinen Umbenennung der Studentenwerke in "Studierendenwerke" und der Studenten selbst in "Studierende" zeigt (und die zunehmend willkürlich auf weitere Personenbezeichnungen ausgedehnt wird), kann im sprachlichen Bereich als eine Art Vorzeigeprojekt bzw. Testballon angesehen werden um die Akzeptanz von Sprachmanipulationen in der Gesellschaft zu ermitteln, wobei diesen Manipulationsversuchen mithilfe des Begriffs der "Gerechtigkeit" (im Sinne eines Framings) ein positives Image verliehen werden soll. Gegenderte Sprache wie daher z.B. als "geschlechtergerechte Sprache" oder "gendergerechte Sprache" bezeichnet obwohl deren Verwendung per se nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat.[5]

Vorgeblich sollen somit durch diese (meist inkonsequent verwendeten und sprachlogisch nicht kohärenten) Wortneuschöpfungen bzw. grammatikalischen Experimente reale Diskriminierungen oder Sexismus in der Gesellschaft abgebaut werden, obwohl es keinerlei wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit in dieser Richtung gibt [6][7][8]. Gerade aufgrund des provokanten Verhaltens sowie des darüber formulierten Machtanspruchs sowie der Sexualisierung und Politisierung der Sprache sowie über den darin angelegten (impliziten) Sexismus ist vielmehr (u.a. über die Erzeugung von Reaktanz) ein gegenteiliger Effekt zu erwarten, der von Querfeministen trotz der offensichtlichen Gefahr einer Radikalisierung der Gesellschaft zumindest billigend in Kauf genommen wird.

Als weitere Zielsetzung wird der Anspruch formuliert durch diese Maßnahmen auch andere "Geschlechter" als Männer und Frauen sichtbar zu machen. Wie dies möglich sein soll ist völlig unklar, da selbst unter Annahme ihrer Existenz niemand die Art und Anzahl dieser "Geschlechter" kennt und daher (anders als bei Geschlechtspronomen) auch keinerlei assoziativer Bezug zu den verwendeten Symbolen oder grammatikalischen Mitteln besteht.

Da durch die Verwendung künstlicher sprachlicher Konstrukte somit kein praktischer Nutzen im Sinne der behaupteten Wirkzusammenhänge belegbar ist und eine deutliche (sowie anhaltend zunehmende[9]) Mehrheit der Gesellschaft deren Verwendung ablehnt[10][11][12], muss davon ausgegangen werden, dass die eigentliche Motivation für ihre Verwendung im setzen von "Duftmarken" oder sogar in einer aktiven Spaltung der Gesellschaft in einen "inneren" (moralisch höherwertigen) und einen "äußeren" (moralisch minderwertigen) Kreis besteht, wobei die verwendete Sprache die Zugehörigkeit zum inneren Kreis markieren und dessen ideologiegetriebenen Machtanspruch zur Geltung bringen soll. Auch ein banales Bedürfnis nach Rache an einer Gesellschaft, in der bestimmte Traumatisierungen stattgefunden haben, kann hierbei im Hintergrund stehen.

Diesbezüglich steht der Queer-Feminismus in der Tradition der von der zweiten Welle des Feminismus ausgehenden Versuchen die Sprache zu beeinflussen. Konkret geschieht dies dort z.B. durch eine systematische Verwendung des Binnen-I oder durch Abhandlungen zum "generischen Maskulinum" welches beispielsweise durch ein "generisches Femininum" ersetzt werden solle.[13]

Diese und vergleichbare Strategien der Einflussnahme sind typisch für politisch geprägte Ideologien (im Bereich des Feminismus meist mit Grundlagen im Sozialismus bzw. Kommunismus) und werden anschaulich in George Orwells Klassiker 1984 beschrieben (Stichworte: Neusprech und die Gedankenpolizei des Ministeriums für Liebe).

Aufgrund der zumeist linken politischen Ausrichtung ("links"-liberal bis linksradikal) feministischer Strömungen wird Menschen, die sich kritisch gegenüber dem Queer-Feminismus äußern, meist pauschal eine Nähe zum Rechtsextremismus oder zumindest einem rechtsideologisch geprägten Maskulinismus und/oder Antifeminismus unterstellt [14]. Ob hierüber bewusst eine Spaltung der Gesellschaft im Sinne von divide et impera befördert werden soll oder nicht bleibt allerdings offen, da sowohl linke als auch rechte Ideologen von der Auseinandersetzung mit der jeweiligen Gegenseite profitieren und somit eine "natürliche" bzw. unterschwellige Tendenz zeigen, sich wechselseitig in immer extremere Sphären hochzuschaukeln, bis sie im Extremismus nahezu konvergieren und sich nur noch bezüglich der Narrative unterscheiden mit denen Überwachung, Diskriminierung oder sogar Gewalt gegen Andersdenkende oder die ganze Bevölkerung gerechtfertigt werden.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.antjeschrupp.de/third-wave-feminismus
  2. https://www.jetzt.de/meine-theorie/meine-theorie-frauen-muessen-nicht-mit-maennern-ueber-feminismus-diskutieren>
  3. https://taz.de/Queerfeminismus-und-Sprache/!5067155
  4. https://taz.de/Kritik-an-der-queerfeministischen-Szene/!5409519/
  5. https://magazin.tu-braunschweig.de/m-post/kann-sprache-gerecht-sein/
  6. Wikipedia: Kritik an der feministischen Sprachkritik (aka feministische "Linguistik")
  7. https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/hoersaal/gendern-warum-geschlechtergerechte-sprache-nicht-gerecht-ist-18116244.html
  8. https://www.linguistik-vs-gendern.de/
  9. https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/weiter-vorbehalte-gegen-gendergerechte-sprache/
  10. https://www.zeit.de/news/2021-05/23/mehrheit-der-deutschen-lehnt-gendergerechte-sprache-ab
  11. https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/mdrfragt-umfrage-ergebnis-deutliche-ablehnung-von-gendersprache-100.html
  12. https://www.berliner-zeitung.de/news/zdf-politbarometer-mehrheit-der-deutschen-ist-gegen-gendersprache-in-medien-li.171998
  13. https://www.emma.de/artikel/fuehlen-sie-sich-mitgemeint-336301
  14. https://www.gwi-boell.de/de/2018/08/03/frauenfeindlich-sexistisch-antifeministisch-begriffe-und-phaenomene-bis-zum-aktuellen